IT-Unsicherheit ist mit dem neuen IT-Sicherheitsgesetz gesetzt – mit Sicherheit

Wenn das neue IT-Sicherheitsgesetz so kommt, wie es der Entwurf vorsieht, dann können wir getrost unsere Passwörter in die Tonne kloppen.

Der Verdächtige ist verpflichtet, die zur Nutzung der virtuellen Identität erforderlichen Zugangsdaten herauszugeben

§163g, Entwurf eines Zweiten Gesetzes zur Erhöhung der Sicherheit informationstechnischer Systeme (IT-Sicherheitsgesetz 2.0 – IT-SiG 2.0)

Und im weiteren Verlauf darf die ermittelnde Instanz sich auch meiner damit verbundenen digitalen Identität bedienen.

Ein Traum, dieses Gesetz. Zumindest für Befürworter einer totalen Überwachung – sollte den älteren Semestern unter uns durchaus bekannt vorkommen.

Für mich ist es eher ein Albtraum.

61 Cent

Sehr schön – jetzt haben wir mal wieder einen Richtwert, was unsere Daten (nach zähen Verhandlungen wohlgemerkt!) wert sind.

Yahoo hat sich mit den Opfern des Monster-Breachs von 3 Milliarden E-Mail-Konten auf einen Vergleich geeinigt.

Die 194 Millionen Opfer erhalten jetzt 117,5 Millionen Dollar. Super.

Das sind dann knapp 61 Cent pro Opfer. Da kann man aber wirklich mal so richtig einen drauf machen. Oder einen Premium-Account bei Yahoo kaufen.

Das Leben der Anderen – in krass

Die Praktiken von Amazon gemahnen doch deutlich an das verwerfliche Vorgehen der Stasi – nur eben jetzt in digital und von einem privatwirtschaftlichen Unternehmen.

Damit diese Datenkrake ihre ***** KI trainieren kann, lauschen Amazon-Mitarbeiter regelmäßig den Gesprächen ihrer Alexa-Kunden.

Ich fasse die Dreistigkeit dieses Konzerns nicht.

Aber ich fasse auch nicht die Blauäugigkeit der Nutzer dieser Wanze. Wofür sind denn vor gut dreißig Jahren die Menschen massenweise auf die Straße gegangen? Um gegen Überwachung, Willkür und Unfreiheit zu demonstrieren. Und was machen die Menschen (und ich wage zu behaupten, dass dies teilweise dieselben Menschen sind, die damals demonstriert haben) heute? Sie stellen sich freiwillig so eine Überwachungs-Wanze in die eigenen heiligsten Hallen und treten ihre Freiheit und ihre Privatsphäre mit Füßen.

Ich fasse es nicht.

Facebook, schwarzes Brett – egal: Hauptsache öffentlich einsehbar

Lieber Himmel! Wann habt ihr Useds von Facebook eigentlich endlich die Schnauze voll davon, dass eure Daten öffentlich einsehbar rumliegen?

UpGuard, ein australisches IT-Sicherheitsunternehmen, hat zwei weitere Datenlecks bei Facebook gefunden.

Bei diesem Data Breach waren “nur” 146 Gigabyte Daten betroffen, in Summe “nur” 540 Millionen Accounts.

Da fallen die 22000 im Klartext gespeicherten Passwörter, die ebenfalls öffentlich einsehbar waren, doch gar nicht mehr ins Gewicht.

Diese Daten lagen – für alle Online-Welt sichtbar – in ungesicherten AWS-Buckets rum. Und zwar seit Januar 2019!

Wann, so frage ich nochmal, reicht es euch Facebook-Ausgenutzten denn endlich? Was muss denn noch alles passieren, bevor ihr die einzig richtige Konsequenz ergreift – und diesem Datenmoloch die Grenzen aufzeigt und eurer Konto löscht?

Urheberrecht als Vorwand für Intransparenz

Da haben wir jetzt doch eine erstaunliche Korrelation:
Kaum ist das Urheberrecht auf europäischer Ebene reformiert, schon nutzt das Bundesinstitut für Risikobewertung dies als Vorwand, eine bereits beantwortete Informationsfreiheitsanfrage der Transparenzplattform FragDenStaat zu blockieren. Und zwar die Veröffentlichung eines Gutachtens über das Gift, äh Pflanzenschutzmittel Glyphosat, welche per einstweiliger Verfügung verboten wurde.

Aber wir leben zum Glück in einem Rechtsstaat.

Und hier hat jeder Bürger die Möglichkeit, eine Informationsfreiheitsanfrage zu stellen.

FragDenStaat unterstützt in diesem Fall den auskunftswilligen Bürger ganz massiv. Unter dem Kampagnentitel #Zensurheberrecht verhindern können wir alle nun aktiv werden und das Gutachten anforden. Das ist wirklich ganz einfach: ein Formular ausfüllen, E-Mail-Adresse bestätigen – und auf das Gutachten warten.

Und das sollten wir mit aller uns bürgerlich zustehenden Macht tun.

Denn wir leben in einem Rechtsstaat – nicht in einer industrie-gesteuerten Lobbykratie.

Der Führerschein – digital-theoretisch

Möglicherweise klinge ich gelegentlich etwas digital-pessimistisch. Liegt möglicherweise daran, dass ich $neuer-heißer-Scheiß-wird-uns-retten!!!1!!-Parolen grundsätzlich sehr kritisch gegenüber stehe.

Und diesmal soll uns die Digitalisierung davor retten, dass zunehmend Menschen durch die theoretische Fahrprüfung fallen.

Ich glaube weiterhin nicht daran, dass eine Änderung der Lernform ausschlaggebenden Einfluss auf das Verstehen der Lerninhalte hat.

Wenn ich ein Thema (theoretische Grundlagen des Straßenverkehrs) analog nicht verstehe, dann wird die Digitalisierung dieses Sachverhalts auch nur sehr bedingt beim Erkenntnisgewinn helfen.

Außerdem, was hilft alles Digitale, wenn ich anschließend in der analogen Welt ein Fahrzeug führen muss? Da fallen aktuell immer noch knapp ein Drittel bei der praktischen Fahrprüfung durch.

Zusammengefasst: Digitalisierung ist (aktuell) nur ein zusätzliches Angebot, es wird das Analoge (noch) nicht ersetzen – außer wir schaffen uns selbst ab.

Internet like it’s 1899

Mein Glückwunsch an Axel Voss und die 348 Abgeordneten des Europaparlaments, die das Internet, wie wir es bis jetzt in 2019 gekannt haben, zu Grabe getragen haben.

Ich möchte mich nicht in den Chor der Trauernden um das Internet in Gänze einreihen, denn das Internet ist damit nicht abgeschafft.

Aber eben zurückgebombt ins Jahr 1899. Zumindest in Europa. Denn für den Rest der Welt dreht sich die sozial teilende virtuelle Welt ja weiter.

Nur wir in Europa dürfen halt nicht mehr mitspielen. Schade.

Aber frohlocken wir! Dafür haben wir mehr Überwachung, Unfreiheit und Zensur. Ist doch auch schön. Oder?!

Facebook ist halt ein großes Fass…

…da dauert es etwas länger, bis es überläuft.

Aber bitte, liebe Facebook-Nutzer (und damit meine auch euch Instagrammer und WhatsApper!), reicht es euch nicht langsam mal?

Jetzt hat Facebook “versehentlich” hunderte Millionen von Passwörtern im Klartext gespeichert! Im Klartext!

Das ist kein verdammtes “Versehen”! Das ist Schlamperei, die auf das Gröbste gegen die DS-GVO verstößt. Aber selbst eine richtig harte Geldstrafe wird Facebook nicht treffen.

Daher mein Aufruf an euch: Bestraft Facebook, indem ihr diesem gammeligen Werbenetzwerk den Rücken kehrt. Endgültig. Und auch WhatsApp und Instagram.

Wie? Hier ist eine schöne Anleitung dazu.

Warum algorithmische Upload-Filter nicht funktionieren

Terror an sich ist schon schlimm genug. Aber wenn dieser dann auch noch sozial-medial ausgeschlachtet wird, ist das noch widerlicher.

Gegen diese Form des Terrors hatte Facebook doch seine KI eingesetzt. Die filtert Terror-Propaganda raus. Dann bleibt das soziale Netzwerk sauber.

So die Theorie von Facebook.

Funktioniert jedoch nicht, hat sich jetzt nach dem Attentat in Christchurch gezeigt, denn ein solcher Algorithmus muss trainiert werden – mit sehr großen Datenmengen.

“Um das zu erreichen, müssen wir unsere Systeme erst mit großen Mengen von Daten von genau solchen Inhalten versorgen – was schwierig ist, da solche Ereignisse dankenswerterweise selten sind”

Guy Rosen, VP, Product Management (Facebook)

Und außerdem würde dann die ganze schöne Werbeflut ja nicht mehr bei den Useds von Facebook ankommen – wenn die Upload-Prüfer sich mit terroristischen Widerlichkeiten auseinandersetzen würden.

“Wenn unsere Systeme zum Beispiel bei tausenden Stunden von Livestreams aus Videospielen Alarm schlagen würden, könnten unsere Prüfer die wichtigen Videos aus der realen Welt verpassen”

Guy Rosen, VP, Product Management (Facebook)

Zynisch, aber ehrlich. Zeigt doch endlich mal wieder klar die Priorität von Facebook: Es ist ein Werbenetzwerk, kein Nachrichtenkanal.

Deswegen: Raus, so schnell ihr könnt!

Urheberrechtsreform, oder Papier ist geduldig

Eine Verpflichtung von Plattformen zum Einsatz von Upload-Filtern, um von Nutzern hochgeladene Inhalte nach urheberrechtsverletzenden Inhalten zu „filtern“, lehnen
wir als unverhältnismäßig ab.

Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD, 19. Legislaturperiode

Genau so steht es im Koalitionsvertrag, der die Zusammenarbeit unserer aktuellen Regierung festlegt. Ich habe das Gefühl, dass auf die Worte unserer Regierung nicht allzuviel zu geben ist.

Nicht nur hat Deutschland bei der Abstimmung über Artikel 13 der Urheberrechtsreform klar gegen den Koalitionsvertrag gehandelt.

Jetzt hat auch Justizstaatssekräter Christian Lange auf eine Anfrage der FDP geantwortet, dass

“[..] bereits aus Praktikabilitätsgründen wohl algorithmenbasierte Maßnahmen anzuwenden sein.”

Christian Lange, SPD

Mit diesen “algorithmenbasierten Maßnahmen” sind wiederum Upload-Filter gemeint.

O tempora, o mores!

Ich frage mich wirklich, wie man bei einer derart klaren Missachtung von Absprachen durch Politiker, die uns Vorbild sein wollen (oder zumindest sollten), noch zu einem rechtschaffenen Lebenswandel motiviert werden soll.