Safer Internet Day – durch die Augen der Politik gesehen

Da bekomme ich doch fast ein Schleudertrauma vor lauter Kopfschütteln, wenn ich mir die Videobotschaft unserer Kanzlerin anschaue.

Der zweite Tag in der zweiten Woche im zweiten Monat ist seit 2008 (nicht seit 2002, haha) jährlich der Safer Internet Day (ob der sechste Tag im sechsten Monat eines jeden sechsten Jahres wohl internationaler Satanisten-Tag ist?). Dieser Tag fällt dieses Jahr auf den 05. Februar (also der Safer Internet Day, nicht der Luzifer-Tag).

Und diesen Tag hat sich unsere Kanzlerin für eine medial passende Videobotschaft ausgesucht.

“Da geht es darum, das Internet sicherer zu machen.”

Angela Merkel, Bundeskanzlerin

Das Internet sicherer machen? Wir sollten lernen, mit der Realität umzugehen? Wie wollen wir das Internet sicherer machen? Durch mehr Zensur und Kontrolle? Vielleicht so, wie die Politik sich vorstellt, die analoge Welt durch mehr Rüstung und Überwachung sicherer zu machen?

“Aber es geht jetzt darum, dass der Einzelne natürlich das Heft des Handelns in der Hand behält, und dazu dient dieser Tag.”

Angela Merkel, Bundeskanzlerin

Ja, meine Rede. Wir müssen lernen mit den Gegenheiten umzugehen – aber dafür brauchen wir doch keinen Safer Internet Day. Das ist genauso sinnlos wie einen Ändere dein Passwort Tag zu zelebrieren. Es geht schließlich um unsere Daten, da ist logisch, dass wir uns auch darum kümmern müssen.

[…]und dazu gehört zum Beispiel, dass man ein starkes Passwort hat, dass man diese Passwörter auch immer mal wieder verändert.

Angela Merkel, Bundeskanzlerin

Ein starkes Passwort? Eins? Nein, viele starke Passwörter! Für jeden Account ein starkes Passwort. Und nicht einfach so mal ändern. Dazu braucht es eine vernünftige Unterstützung, einen Passwort-Manager. Ansonsten kommt da nur leicht hackbarer Unsinn heraus.

“In unserer Initiative ‘Digitalpakt Schule’ spielt auch diese Medienkompetenz von Kindern eine große Rolle.”

Angela Merkel, Bundeskanzlerin

Digitalpakt und Medienkompetenz in einem Satz zu nennen ist ja schon vermessen. Bei dem einen geht es um Hardware und Lobbyisten-Einfluss. Bei dem anderen geht es um Lernen. Das eine hat mit dem anderen nur insofern etwas zu tun, als man zum Schreiben beispielsweise Stift und Papier oder ähnliches braucht.

“Die Sicherheit muss natürlich einerseits durch den Staat gewährleistet werden, […] wie durch das Bundesinnenministerium.”

Angela Merkel, Bundeskanzlerin

Und was bitte hat das Bundesinnenministerium mit der Sicherheit im Internet zu tun? Das Internet ist ja hoffentlich bitte keine Angelegenheit des Bundesinnenministeriums! Etwas internationaleres als das Internet kann ich mir nicht vorstellen.

Ich schäume, ich zürne – aber das musste mal raus. Lieber Himmel, was für ein uninformiertes Gerede über ein wichtiges Thema unter dem falschen Titel.