Es gibt keine Anonymität im Internet

Komplexe technische Zusammenhänge und salbungsvolle Marketingaussagen täuschen uns Anwender immer wieder über grundlegende Selbstverständlichkeiten.

Heute: Anonymität im Internet.

Gibt es nicht.

Ganz einfach. Wer aktuell etwas anderes behauptet, lügt, hat keine Ahnung oder eine andere Agenda (finanziell, überwachungstechnisch oder pure Neugier).

Der belgische Informatiker Yves-Alexandre de Montjoye hat in seiner Arbeit nachgewiesen, dass bereits drei (abgefragte und im Internet vorgehaltene) Merkmale einer Person – z.B. Geschlecht, Geburtsdatum und Postleitzahl – ausreichen, um diese Person in acht von zehn Fällen zu identifizieren.

Kommen weitere Merkmale hinzu (und die werden ja haufenweise freiwillig zur Verfügung gestellt) – genügen diese bereits, um eine Person zu 99,98% eindeutig zu identifizieren. Und das schon bei 15 weiteren Merkmalen. Viele Datensammler halten jedoch hunderte Merkmale über die erfassten Personen vor.

Was hilft? Weniger Daten herausgeben. Denn selbst unter der DS-GVO ist der Handel mit anonymisierten Daten legal – diese gelten nicht als personenbezogene Daten.

Aber was hilfts, wenn Unternehmen diese legal erworbenen Daten dann problemlos einzelnen Personen zuordnen können?

Libra – bringt es mehr (Un)Gleichgewicht in die Bezahlsysteme?

Naja, mehr Ungleichgewicht geht wohl kaum. Aber immer, wenn jemand sowas sagt, kommt es genau so. Kennen wir ja von Douglas Adams.

Aber ob Libra – die vielbeschworeneverteufelteherbeisehnte neue Digitalwährung – jetzt Fluch oder Segen wird, werden wir sehen – auch ganz ohne Latinum.

Im Auge behalten sollten wir trotzdem, was die Libra Association da unter ihrer Galionsfigur Mark Zuckerberg vorantreibt.

Einen guten und ausgewogenen Einblick in dieses (mögliche) digitale Dilemma hat die Professorin für Wirtschaftsinformatik Sarah Spiekermann in der Süddeutschen Zeitung gegeben.

Wollt ihr die totale Reise-Überwachung!?

Wir vielleicht nicht, die EU aber schon.

In einer für dieses Thema zuständigen Arbeitsgruppe haben die EU-Mitgliedsstaaten am 3. Juli 2019 angeregt, die bereits für Flugreisen gesammelten Passagierdaten (PNR – Passenger Name Records) auch auf Reisen per Schiff, Zug und Bus auszuweiten.

Das Ganze soll ja mal wieder “gegen den Terror” helfen. Denn Terroristen weisen ja bekanntermaßen ein Muster von “broken travel”, also einen Mix unterschiedlicher Transportmittel, auf.

Da stellt sich mir doch sofort die folgende Frage:
Sind wir jetzt alle – die wir einen vernünftigen und klimafreundlichen Verkehrsmix anstreben – Terroristen?

Stehen wir Klimafreundlichen wieder einmal unter Generalverdacht. Wie üblich.

Google, hörst du mich?

Im Zweifel – ja.

Nachdem Bloomberg im April 2019 bereits darüber berichtet hat, dass Mitarbeiter bei Amazon die Sprachaufzeichnungen ausgewertet haben, welche der geneigte sprachassistenten-affine Nutzer seiner Alexa erzählt hat, zieht Google jetzt nach.

Laut einem Bericht der vrt – einer belgischen Rundfunkanstalt – werten Google-Mitarbeiter systematisch aus, was der sprachassistenten-affine Nutzer seinem Google Home erzählt.

Auch ohne dafür einen akustischen Startbefehl wie z.B. OK, Google zu geben.

Aber was ist schon so ein bisschen Überwachung unter Freunden…

Vielleicht merken die sprachaktivierten Ausgenutzten bei Google – und auch bei Amazon – endlich, dass sie keine Kunden dieser Konzerne sind.

Sondern ihre Produkte. Und Produktüberwachung ist schließlich keine Überwachung, sondern Qualitätskontrolle.

Deswegen wiederhole – und erweitere – ich meinen Aufruf:
Raus, Alexa!
Raus, Google!

Ja hört denn hier niemand auf die Kinder!?

Doch! Alexa!

Was zunächst klingt wie ein Appell, den berechtigten Protesten der Fridays for Future mehr Gehör zu geben, zeigt sich leider bei näherer Betrachtung als ein weiteres digitales Elend.

Wer den Kindern nämlich mehr Gehör schenkt, als es ihnen gut tut, sind digitale Sprachassistenten wie Alexa.

In einem Gutachten des wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages wird kritisiert, dass diese Überall-Wanzen Kindern problemlos Zugriff auf Inhalte gewähren können, die weder für sie gedacht noch geeignet sind.

Darüber hinaus merkt das Gutachten an, dass nicht klar ist, was z.B. mit Sprachaufzeichnungen von Besuchern eines mit Alexa verseuchten Bereichs geschieht – und wie die gesammelten Sprachdaten in den USA ausgewertet werden.

Und politisch zuständig fühlt sich auch mal wieder niemand – das erinnert dann doch an die Fridays for Future.

Deswegen mein Rat: Alexa raus!