Wollt ihr die totale Reise-Überwachung!?

Wir vielleicht nicht, die EU aber schon.

In einer für dieses Thema zuständigen Arbeitsgruppe haben die EU-Mitgliedsstaaten am 3. Juli 2019 angeregt, die bereits für Flugreisen gesammelten Passagierdaten (PNR – Passenger Name Records) auch auf Reisen per Schiff, Zug und Bus auszuweiten.

Das Ganze soll ja mal wieder “gegen den Terror” helfen. Denn Terroristen weisen ja bekanntermaßen ein Muster von “broken travel”, also einen Mix unterschiedlicher Transportmittel, auf.

Da stellt sich mir doch sofort die folgende Frage:
Sind wir jetzt alle – die wir einen vernünftigen und klimafreundlichen Verkehrsmix anstreben – Terroristen?

Stehen wir Klimafreundlichen wieder einmal unter Generalverdacht. Wie üblich.

Google, hörst du mich?

Im Zweifel – ja.

Nachdem Bloomberg im April 2019 bereits darüber berichtet hat, dass Mitarbeiter bei Amazon die Sprachaufzeichnungen ausgewertet haben, welche der geneigte sprachassistenten-affine Nutzer seiner Alexa erzählt hat, zieht Google jetzt nach.

Laut einem Bericht der vrt – einer belgischen Rundfunkanstalt – werten Google-Mitarbeiter systematisch aus, was der sprachassistenten-affine Nutzer seinem Google Home erzählt.

Auch ohne dafür einen akustischen Startbefehl wie z.B. OK, Google zu geben.

Aber was ist schon so ein bisschen Überwachung unter Freunden…

Vielleicht merken die sprachaktivierten Ausgenutzten bei Google – und auch bei Amazon – endlich, dass sie keine Kunden dieser Konzerne sind.

Sondern ihre Produkte. Und Produktüberwachung ist schließlich keine Überwachung, sondern Qualitätskontrolle.

Deswegen wiederhole – und erweitere – ich meinen Aufruf:
Raus, Alexa!
Raus, Google!

Ja hört denn hier niemand auf die Kinder!?

Doch! Alexa!

Was zunächst klingt wie ein Appell, den berechtigten Protesten der Fridays for Future mehr Gehör zu geben, zeigt sich leider bei näherer Betrachtung als ein weiteres digitales Elend.

Wer den Kindern nämlich mehr Gehör schenkt, als es ihnen gut tut, sind digitale Sprachassistenten wie Alexa.

In einem Gutachten des wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages wird kritisiert, dass diese Überall-Wanzen Kindern problemlos Zugriff auf Inhalte gewähren können, die weder für sie gedacht noch geeignet sind.

Darüber hinaus merkt das Gutachten an, dass nicht klar ist, was z.B. mit Sprachaufzeichnungen von Besuchern eines mit Alexa verseuchten Bereichs geschieht – und wie die gesammelten Sprachdaten in den USA ausgewertet werden.

Und politisch zuständig fühlt sich auch mal wieder niemand – das erinnert dann doch an die Fridays for Future.

Deswegen mein Rat: Alexa raus!

Wenn sich dein “schlauer” Fernseher schlafend stellt…

…kannst du davon ausgehen, dass er dich belauscht.

Benutzt hier jemand Smart-TVs von Samsung?

Nun, nach diesem Artikel von Vice/Motherboard würde ich so ein Gerät nicht mehr betreiben. Zumindest nicht am Internet.

Dokumente der CIA, die von WikiLeaks kürzlich veröffentlicht wurden, legen nahe, dass die CIA in der Lage war, Samsung Smart-TVs in einen Fake Off Zustand zu versetzen, der den Nutzern den Eindruck vermitteln sollte, das telemediale Wunderwerk sei ausgeschaltet. Dabei hat es fröhlich seine Besitzer weiter ausgehorcht.

Nun, was können wir dagegen tun?

  • das Gerät vom Strom trennen. So richtig. Netzstecker ziehen. In der Art.
  • das Gerät vom Internet trennen. So richtig. Nicht per WLAN und auch nicht per Kabel mit dem Internet verbinden. Einfach nur als Fernseher nutzen.

Mir ist schon klar, dass beides unbequeme Lösungen sind. Aber ich lebe lieber unbequem als überwacht.

Digitaler Unverstand als Zeichen politischer Inkompetenz

Vermutlich ist es schlicht ein Zeichen von totaler Orientierungslosigkeit, was das BMI (Bundesministerium des Inneren) da unter Horst Seehofer vorlegt (https://www.golem.de/news/crypto-wars-seehofer-will-messenger-zur-entschluesselung-zwingen-1905-141494.html). Aber selbst mit dieser schwachen Ausrede bombt uns die Forderung nach einer Schnittstelle für den Zugriff auf verschlüsselte Messenger-Kommunikation wieder in die kommunikative Steinzeit.

Daher ist der offene Brief (https://docs.google.com/document/d/17F-OxKJtR8DM9O8jiEfUhxDGguBnJoZ2-lvp9614CyM/edit) von mehr als 100 Unterzeichnern an das BMI ein dringender Aufruf, gegen diesen gefährlichen Schwachsinn, den eine uninformierte und angstgesteuerte Politik mit fadenscheinigen Argumenten hier fordert, dringend als Korrektiv nötig.

Hoffentlich liest es jemand, der die Kritik auch versteht.

Ansonsten sehe ich tiefschwarz für unsere Freiheit – und unsere digitale Zukunft.

IT-Unsicherheit ist mit dem neuen IT-Sicherheitsgesetz gesetzt – mit Sicherheit

Wenn das neue IT-Sicherheitsgesetz so kommt, wie es der Entwurf vorsieht, dann können wir getrost unsere Passwörter in die Tonne kloppen.

Der Verdächtige ist verpflichtet, die zur Nutzung der virtuellen Identität erforderlichen Zugangsdaten herauszugeben

§163g, Entwurf eines Zweiten Gesetzes zur Erhöhung der Sicherheit informationstechnischer Systeme (IT-Sicherheitsgesetz 2.0 – IT-SiG 2.0)

Und im weiteren Verlauf darf die ermittelnde Instanz sich auch meiner damit verbundenen digitalen Identität bedienen.

Ein Traum, dieses Gesetz. Zumindest für Befürworter einer totalen Überwachung – sollte den älteren Semestern unter uns durchaus bekannt vorkommen.

Für mich ist es eher ein Albtraum.

Das Leben der Anderen – in krass

Die Praktiken von Amazon gemahnen doch deutlich an das verwerfliche Vorgehen der Stasi – nur eben jetzt in digital und von einem privatwirtschaftlichen Unternehmen.

Damit diese Datenkrake ihre ***** KI trainieren kann, lauschen Amazon-Mitarbeiter regelmäßig den Gesprächen ihrer Alexa-Kunden.

Ich fasse die Dreistigkeit dieses Konzerns nicht.

Aber ich fasse auch nicht die Blauäugigkeit der Nutzer dieser Wanze. Wofür sind denn vor gut dreißig Jahren die Menschen massenweise auf die Straße gegangen? Um gegen Überwachung, Willkür und Unfreiheit zu demonstrieren. Und was machen die Menschen (und ich wage zu behaupten, dass dies teilweise dieselben Menschen sind, die damals demonstriert haben) heute? Sie stellen sich freiwillig so eine Überwachungs-Wanze in die eigenen heiligsten Hallen und treten ihre Freiheit und ihre Privatsphäre mit Füßen.

Ich fasse es nicht.

Like it or not – it’s the f Word

Nicht, dass ich großes Mitleid mit dem blauen f habe, aber dieses Jahr läuft es richtig mies für Facebook – recht so.

Nun hat einer der Generalanwälte am EuGH, Michal Bobek, in seiner Schlusserklärung klar gemacht, dass ein Websitebetreiber, der einen Facebook-Like-Button auf seiner Site einbindet, mitverantwortlich für den Datenschutz der Website-Besucher ist – recht so.

Damit wird das elende Getracke durch diese datensaugende Plattform hoffentlich deutlich eingedämmt – schön wärs.

E-Evidence – Europa importiert gerne Schrott

Na prima, da haben wir in Europa jetzt auch endlich unseren CLOUD Act.

Die europäische Herausgabeanordnung (E-Evidence-Verordnung) ist der Entwurf einer Verordnungssammlung der EU-Kommission zur Herausgabe elektronischer Beweismittel durch Cloud-Anbieter. Prinzipiell werden Internetkonzerne dadurch gezwungen, innerhalb von zehn Tagen (in dringenden Fällen innerhalb von sechs Stunden) den anfragenden Justiz- oder Ermittlungsbehörden elektronische Informationen über eine Person zu übermitteln. Hierbei handelt es sich unter anderem um Fotos, Videos, Zugangskennungen, Passwörter, E-Mails und sonstige (Chat-)Nachrichten.

Also einmal die komplette digitale Identität.

Und falls man als Internetkonzern nicht kooperiert, drohen Geldbußen bis zu 2% des weltweiten Jahresumsatzes – kennen wir ja so ähnlich von der DS-GVO, scheint sich zu einem Standard zu etablieren.

Aber so ein bisschen mehr digitale Totalüberwachung stört uns ja nicht – wir haben ja nichts zu verbergen.

Is’ mir übel.

Australien hat eine Hintertür

Eine? Achwas – Hintertüren überall!
Das australische Parlament hat die Assitance and Access Bill beschlossen. Damit müssen Softwarehersteller auf Ersuchen der Sicherheitsbehörden Hintertüren in ihren Produkten einbauen, um Zugang zu verschlüsselter Kommunikation und Dateien zu erhalten.

Dass dies eine selten dämliche Idee ist, fällt dem gesunden Menschen schon durch seinen Verstand ein: Haben durch eine solche Backdoor in einer Software natürlich nicht nur die Sicherheitsbehörden Zugriff auf Kommunikation und Daten – diese Hintertür steht dann auch Kriminellen offen…

Aber auch die australischen Softwarehersteller beklagen den Irrsinn dieses Gesetzes: Nicht nur werden sie zum Erfüllungsgehilfen einer wahnsinnigen Überwachunsmaschinerie, sondern bricht ihnen mit diesem Gesetz auch der internationale Softwaremarkt weg. Niemand klaren Verstandes wird jetzt noch Software Made in Australia kaufen – hat diese jetzt doch das Gütesiegel: “Mit Hintertür!”.